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Die rote Erdbeere

die-rote-erdbeere-200221112533Personen, personenbezogen, persönlich, Personaldebatte, Personenkraftwagen, Personenaufzug, Personalien, Personalpronomen, Personal, Personalausweisgesetz, Personalakte, Personalabbau, Personenbeförderung.……….

Person > la persona > lat.:  die Maske, die Rolle…

Ein Mensch ist eingebunden in seiner Natur. Er ist „natürlich“ und er ist existent. Niemals kämen wir auf die Idee Ihn sprachlich anders zu beschreiben oder Ihn neu zu definieren. Wirklich beachtlich sind die anderen Bezeichnungen für „Mensch“ , kein einziges Synonym verwendet die Definition „natürlich“. Dagegen werden eben die nicht „natürlichen“ Dinge als natürlich bezeichnet, „aus natürlichem Anbau, mit natürlichen Aromen….usw. Dinge, die für uns selbstverständlich sind, werden auch selbstverständlich bezeichnet. Niemand benutzt Aussagen, wie „ich kaufe heute gelbe Bananen“, oder gemäß der Artikelüberschrift eben rote Erdbeeren. Bananen sind Bananen, Erdbeeren sind Erdbeeren und Menschen sind nun einmal Menschen. Unterschieden wird nach äußeren Eigenschaften. Wie zum Beispiel bei Pferderassen oder Holzarten. Aber nicht eine einzige, wie auch immer definierte, Unterscheidung nutzt das Wort „natürlich“.

Die Person muss also aus irgendeinem Grund erschaffen werden. Warum definiert das Recht, und damit das System, Personen? Und wer darf überhaupt definieren?

Um das zu verstehen, ist ein intensiverer Blick auf die Person von Nöten.

Personen sind etwas künstliches, und die Betriebsanleitung stellt das Personenstandsgesetz dar. Hier heißt es:

Zitat:

Personenstandsgesetz (PStG)

  • 1 Personenstand, Aufgaben des Standesamts

(1) Personenstand im Sinne dieses Gesetzes ist die sich aus den Merkmalen des Familienrechts ergebende Stellung einer Person innerhalb der Rechtsordnung einschließlich ihres Namens. Der Personenstand umfasst Daten über Geburt, Eheschließung, Begründung einer Lebenspartnerschaft und Tod sowie damit in Verbindung stehende familien- und namensrechtliche Tatsachen.

Es kommt hier nicht wirklich auf die ganzen Bestimmungen und dem Verständnis daran an, wichtig ist, das man hier auf ein einziges Wort achtet:

„innerhalb“

Personen befinden sich innerhalb der Rechtsordnung. Der Mensch ist  (außerhalb ?) vor dem Recht gleich. Innerhalb des Rechts, der Rechtsordnung, erkennt man die Person.  Personen wiederum haben eine sich „aus anderen Rechtskreisen ergebende Stellung“. Alle Menschen sind gleich, so das Grundgesetz. Niemand ist mehr oder weniger „wert“. Daraus ergibt sich ein Status der höchsten „Stellung“ für alle Menschen. Ein Gesetz oder eine Beschränkung kann daher nur funktionieren, wenn der Mensch dieses auch annimmt, weil jede Regelung grundsätzlich eine Einschränkung der höchsten Stellung mit bedeutet. Um es klarer zu verdeutlichen, wenn eine Regelung eine „Freiheit“ definiert, dann kann dies nur aus der Grundanahme heraus geschehen, dass die Freiheit nicht vorhanden war. Eine Person ist kein Mensch, sie ist nur als Mensch definiert. Wirft man einen Blick in die Geburtsurkunde sind folgende Daten zur Person registriert:

  • Nachname
  • Vorname
  • Geburtsdatum
  • Geburtsort
  • Geschlecht
  • Konfession

Für Ausweise noch die Körpergröße, Augenfarbe, Fotografie und neuerdings der Fingerabdruck.

Nichts dieser Angaben sagt etwas über einen Menschen aus. Wenn wir Menschen beschreiben, so tun wir dies anhand deren charakterlichen Eigenschaften…und dazu gehört nicht der Geburtsort, oder der Geburtstag (außer wir lieben Horoskope und diskutieren die Sinnhaftigkeit der Sternzeichen). Im Verhalten „unter uns“ sind die oben aufgeführten Daten eher nicht zum Austausch geeignet. Man kann einen Menschen nun mal nicht auf ein Stück Papier oder einen Datensatz reduzieren…aber genau dies wird umgesetzt. Die Person ist ein „Ident“, die Daten werden zur Identitätsfeststellung benötigt. Zur „Identifikation“ des Menschen. Das Wort „Identität“ leitet sich ab aus „Übereinstimmung“, Gleichsetzung“. So ist die Identifikation  direkt bezogen auf „gleichzusetzen wie“. Wir verwenden das Wort „Identisch“ auch immer nur dann, wenn wir über ZWEI Elemente verfügen, die wir als identisch erfassen können. Eineiige Zwillinge erscheinen deswegen identisch, weil es nun mal ZWEI sind. Es wäre absolut unlogisch ein einzelnes Element als „identisch“ zu bezeichnen, wenn nicht etwas vergleichbares zur Verfügung steht.

Nach diesem Verständnis ist die Person ein Ident, eine Art „Kopie“ des dazugehörigen Menschen. Sozusagen also nicht die echte Erdbeere, sondern die „rote Erdbeere“, deren Foto man auf ein Stück Papier geklebt hat und die mit der echten Erdbeere identisch zu sein scheint. Eine Maske, die dem Menschen zum Verwechseln ähnlich sieht, eine Rolle in die wir schlüpfen, – aus Sicht der Rechtsordnung. Sprachlich wird der Unterschied „Mensch“ „Person“ immer mehr eliminiert. Man sucht keine Menschen, es werden Personen gesucht. Wir nehmen diesen Unterschied nicht wahr, aber genau dieser Unterschied ermöglicht erst, dass die zweidimensionale Kopie „Person“ überhaupt erst „existieren“ kann…

Liegt vielleicht hier der Grund dafür, dass Schreiben aus der öffentlichen Verwaltung sich immer an den „Herrn“ (oder an die Frau, oder besser die Herrin?) richten. Den Herrn des Idents?

Der Ident kann nur aufgrund der Existenz eines Menschen existieren.

Wenn die Person innerhalb der Rechtsordnung ihre bestimmte Stellung hat, so muss die Frage erlaubt sein, warum und wozu dieser Ident nötig ist.

Wozu „bekommt“ man eine Person? Sie scheint einen Zweck zu erfüllen.

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